Portraits bearbeiten

Workflows sind schön, wenn sie Funktionieren. Ich hab mir mal etwas Zeit genommen, um hier was zur Nachbearbeitung von Portraits zu zeigen.

Die Kenntnisse für diesen Workflow habe ich mir vor mehreren Jahren mal über http://www.psd-tutorials.de/ angelesen und verfeinert.

 

zugegeben – soviel kann Photoshop auch nicht… Die Basisarbeit findet nunmal vor dem Spiegel statt :-)

model: Franzi
hair & make-up: Janina 

Deshalb bedanke ich mich bei Franzi fürs Geduld haben und bei Janina für Firsur und Make-Up.

Ich bin kein Freund von viel Nachbearbeitung. Das Foto sollte so gut es geht schon in der Kamera entstehen. Haut sollte meiner Meinung nach auch so natürlich wie nur möglich rüberkommen.

Ich möchte mich auf folgendes Bild spezialisieren:

 

Zum Bearbeiten der Bilder verwende ich Capture One. Im ersten Schritt wurde nur leicht die Belichtung korrigiert und der Kontrast minimal erhöht, sowie den Weißabgleich nach meinen Vorstellungen verändert. Darauf muss ich glaub nicht eingehen. Das fertige Bild wird als 16bit tiff exportiert.

Aber jetzt zum eingemachten:

Nun öffnet man das Bild in Photoshop. Grundsätzlich arbeite ich sogut es geht mit verschiedenen Ebenen, um im Originalbild so gut wie nichts zu verändern. Das hat nebenbei auch den Vorteil, dass man immer Vorher und nachher betrachten kann. Falls notwendig kopiere ich die erste Ebene und arbeite mit dem Korrekturpinsel kleine Pickel oder Unreinheiten weg. Das war hier aber nicht notwendig.

Jetzt gehts aber richtig los. Im Menü klickt man auf Ebene –> neue Einstellungsebene –> Tonwerkorrektur…

Den Namen der Ebene behält man am besten. Das Histogramm spreizt man dann etwas, bis die Kontraste wie gewünscht aussehen. Damit die schwarzen und weißen Töne nicht gleich ausfressen, hab ich die Deckkraft auf ca. 50% gestellt.

 

Als nächstes geht man auf  Ebene –> neue Einstellungsebene –> Gradiationskurven… und benennen die neue Ebene “Aufhellen”

 

Die Gradiationskurve hebt man  nun dezent an, bis die zu dunklen Hautstellen hell genug erscheinen. Die Ebenenmaske invertiert man nun mit STRG+I und sollte jetzt schwarz erscheinen. Von der Bildwirkung sollte jetzt nichts mehr vorhanden sein. Jetzt fängt man an, mit einem weichen Pinsel und einer Deckkraft von ca. 20-30% die aufzuhellenden Partien auszumalen. Die Wirkung wird recht schwach erscheinen und es ist sinnvoll, öfter mal die Ebene ein und auszublenden, um den Effekt zu sehen. In diesem Fall war mir die Aufhellung sogar noch zu stark, sodass ich die Deckkraft auf 26% herabgesetzt habe.

 

In den nächsten Schritten wird die Haut von dezenten unreinheiten befreit und Kanten, wie Haare und Schmuck etc. herausgearbeitet. Hierzu wählt man das ganze Bild mit STRG+A aus und wählt im Menü Bearbeiten –> Auf eine Ebene reduziert Kopieren aus und fügt das Bild wieder ein. Dieses Bild wird dann mit STRG+I von den Farben her umgekehrt.

Dieses Bild wir dann mit dem Hochpassfilter und einem Radius von ca. 5 Pixel bearbeitet.

 

Die Ebene muss nun wieder mit STRG+I umgekehrt werden und die Füllebene auf “Strahlendes Licht” stehen. Nun sollte das Bild extrem glattgebügelt aussehen (linker Teil im Bild unten). Damit man sich besser zurecht findet benennt man die Ebene mit “Hautunreinheiten” um.

Diese Ebene bekommt nun eine Ebenenmaske über das Menü: Ebene –> Ebenenmaske –> alle ausblenden

Mit einem weißen Pinsel und schwacher Deckkraft kann man nun Hautunebenheiten beseitigen. In meinem Beispiel sieht man fast keinen Unterschied dabei – aber es gibt auch andere Bilder, bei denen man den Unterschied gewaltig sieht. Augen, Nase und Mund sollte man auf jeden Fall aussparen und die Deckkraft sollte im Nachhinein auch etwas reduziert werden, damit die urspüngliche Haut nur schwach geglättet zum vorschein kommt.

Der nächste Schritt ist dann logischerweise die partielle Schärfung von Bildelementen.

Im nächsten Schritt kopiert man wieder das gesamte Bild mit ‘STRG + Shift + c’ und fügt es ein ‘SRTG + V’. Diese Ebene bekommt nun einen Hochpassfilter von ungefähr 50px und die einstellung ‘Hartes Licht’.Zur besseren Orientierung nenne ich diese Ebene ‘Hautunreinheiten’. Mit Hilfe einer Ebenenmaske in schwarz kann ich dann wieder mit einem weichen weißen pinsel die Konturen herausarbeiten. Auch hier ist es extrem wichtig, nicht zu übertreiben, da es sonst schnell unnatürlich aussieht… Um etwas Ordnung zu verleihen kann man noch einen Ordner erstellen und die darunter liegenden Ebenen hinzufügen. So kann man schnell den Unterschied durch an- und abschalten erkennen.

Jetzt spiele ich oft und gerne mit Farben – man kann Kleidungsstücke nachfärben oder wie in meinem Fall Strähnen in Kleidungsfarbe hinzufügen. Dazu gehe ich folgendermaßen vor:

Eine neue Ebene mit ‘Farbton’ wird nun erzeugt. Mit der Pipette greift man die Zielfarbe ab und mal mit einem Pinsel die Stellen nach. Die Deckkraft hab ich dabei auf ca. 40% gestellt um einen natürlichen effekt zu bekommen. Das probiert man am besten selbst aus…

Unten sieht man das Ergebnis vorher und nachher:

Jetzt wird ein neuer Ordner angelegt, in dem 3 Einstellungsebenen zum Tragen kommen:

Eine Ebene hellt die Person auf, die nächste dunkelt den Hintergrund ab und die dritte gibt zusätzlich Farbe und Kontraste.

Es geht los – mit dem Auswahlellipse-Werkzeug wird die Person, die im Mittelpunkt steht markiert. Für eine weiche Kante ‘STRG + ALT + R’ wähle ich eine weiche Kante von ca. 200px – je nach Bildgröße und Wirkung. Mit dieser Auswahl erstelle ich nun eine neue Einstellungsebene ‘Tonwerkorrektur’ und bekomme schon meine erste Ebene für das Licht. Diese Ebene wird nun dupliziert und die Ebenenmaske invertiert (zum abdunkeln der einzelnen Bereiche).

Wenn die beiden Ebenen erstellt sind, gehe ich zur Aufhellungsebene und spreize das Histogramm bei den Lichtern von 255 auf ca. 240 oder 230. Bei der Ebene zum abdunkeln gehe ich beim Tonumfang von 255 auf ca. 210 zurück. Jetzt sollte das Bild wie von einem Spot beleuchtet wirken. Eine weitere Einstellugnsebene ‘Hue/Situration’ mit ‘Weiches Licht’ gibt mir jetzt die letzte Farbe und den gewünschten Kontrast. Dazu stelle ich in dieser Ebene die Helligkeit auf ca. +40 und die Sättigung auf +20.

Die Ebenenpalette sieht nun folgendermaßen aus:

Und vorher/nachher gibts natürlich auch – etwas übertrieben, damit man den Unterschied sieht:

Jetzt kommen wir zu meinem Lieblingsteil: SW-Umwandlung:

Man benötigt eine Einstellungsebene ‘Kanalmixer’. Diese stellt man auf Monochrom. Je nach Hautfarbe und Weißabgleich kann man an dieser Stelle die Hautfarbe im SW heller oder dunkler gestalten bzw. Pullover oder T-Shirts vom hintergrund abheben. In diesem Beispeil habe ich Rot +40, Grün +40 und Blau +20 gemacht. Insgesamt sollten die Werte 100 nicht über- oder unterschreiten, da man sonst Dynamikumfang verliert. Mit einer weiteren Einstellungsebene ‘Gradiationskurve’ kann nun mit einem klassischen S-verlauf der Kontrast verbessert werden. Eine dritte Ebene mit einer bräunlichen Volltonfarbe und ‘Weiches Licht’ bei ca. 60% verleiht noch einen schönen Sepia-Effekt.

Die Ebenenpalette und deren Einstellungen sollten dann folgendermaßen aussehen:

Das fertige Bild kann man ja oben begutachten.

Zu guter Letzt gibts aber noch ein kleines Detail, auf das ich sehr gerne im Druck ein Augemerk richte: Ich liebe es, wenn die Bilder “analog” wirken und ein Filmkorn haben. Dies kann man sehr einfach emulieren.

Man erstellt eine neue graue Ebene und setzt diese auf ‘Ineinanderkopieren’. Dabei sollte sich eigentlich nichts am Bild ändern.

Jetzt benutze ich einen Filter – ‘Rauschen hinzufügen…’ Diesen stelle ich auf Gaußsche Normalverteilung ein und wähle ca. 20% aus. Der Haken bei Monochrom sollte auch gesetzt sein. Damit das Rauschen nicht zu hart ist, nutze ich noch den Weichzeichnungsfilter mit einem Radius von 0,9. Über die Deckkraft kann man nun das Rauschen einstellen. Hier mal ein stark rauschendes Beispiel:

Viel Spaß beim nachbauen.

keine Kommentare